In seiner über 700 Jahre alten “Göttlichen Komödie” schickt Schriftsteller Dante Alighieri einen Ich-Erzähler durch die Hölle. Aber nicht nur durch die eine, die wir uns vorstellen können, nein: Der arme Protagonist muss gleich neun Zirkel des Jenseits durchqueren, um schließlich, von allen Sünden gereinigt, ins Paradies aufsteigen zu dürfen. Klingt abenteuerlich, allerdings geschieht auf der Reise nichts, was den Action-süchtigen Spieler des 21. Jahrhunderts wirklich begeistern könnte: Ein paar Berühmtheiten der Antike und des Mittelalters, so genannte Jenseitsführer, erzählen von ihren Qualen im Fegefeuer – daraus lässt sich nicht unbedingt ein Kracher zaubern.
Was macht man da? Man dichtet die Dichtung einfach um und verschärft die Story mit Hilfe einer Vielzahl kurioser Monster, die der Held killen muss, um es ins Paradies und zu seiner Geliebten zu schaffen. Über diese Interpretation kann man sich streiten, klar. Aber wenigstens tauchen nicht wie in der modernen Filmumsetzung “Hinter dem Horizont” Kinderliebling Robin Williams und Cuba Gooding, Jr. darin auf.
Auf den ersten Blick erinnert “Dantes Inferno” stark an “God of War”: Meist sind die Monster, denen ihr gegenübertretet, hochhausgleich, zäh und gut beleibt. Richtige Bräter, die euch nicht nur die Nackenhaare versengen wollen. Und ihr müsst in die Rolle eines schmächtigen Würstchens in Kettenrüstung schlüpfen – nicht unbedingt gerecht. Wenigstens habt ihr die überdimensionale Knochensense des Todes im Gepäck, mit der ihr den Viechern in mittelalterlicher Hau-drauf-Manier zuleibe rückt; ein spezielles Kruzifix unterstützt euch außerdem beim Distanzkampf. Diverse kraftvolle Combos lassen euch dann schließlich nicht mehr ganz so sehr gegen eure Gegner abstinken.
Am Ende habt ihr die Viecher sogar dermaßen durch die Mangel genommen, dass sie euch um Vergebung anflehen. Entweder ihr zeigt Gnade und schlagt damit einen “guten Pfad” durch das Spiel ein oder ihr werdet zum Bad Boy und metzelt alles dahin. Dabei müsst ihr immer daran denken, dass jede Entscheidung auch Einfluss auf den weiteren Storyverlauf hat.
Dante Alighieri hat mit seiner “Göttlichen Komödie” ganz entscheidend dazu beigetragen, wie wir uns auch noch heutzutage die Hölle und das Fegefeuer vorstellen, mit leidenden Seelen und einem roten Teufel mit Forke dazwischen. Aber weil diese Vorstellung von der Hölle bereits seit so vielen Jahrhunderten in unseren Köpfen herumschwirrt, mussten sich die Kreativen von EA Redwood Shores was Frisches ausdenken: So stapft ihr nun wagemutig nicht nur durch kahle, wettergepeinigte Steppen und brennende Berglandschaften, sondern landet auch in einer purpurn-blutigen Welt, die nach abstrusem Fantasie- und Kinderwunderland zugleich aussieht. Die neun Zirkel der Hölle sind demnach durchaus abwechslungsreich gestaltet.
Fegefeuer, Monster und die Sense des Todes – das klingt nicht nach sanft-seichter Unterhaltung à la “Verbotene Liebe”. In der Tat kommt “Dantes Inferno” mit einer ordentlichen Portion Brutalität daher: Mit eurer Sense reißt ihr klaffende Wunden in eure Gegner hinein, am Ende könnt ihr sogar durch schnelles Button-Kloppen manchen Viechern die hässliche Rübe von den Schultern schlagen. Das Ganze ist also nichts, was man den Kleinen unter den Tannenbaum legen könnte. Bleibt abzuwarten, wie die USK auf den Titel reagieren wird. Es ist aber damit zu rechnen, dass er in der von den Machern angedachten Fassung nicht in Deutschland erscheinen wird.
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